Ich war noch niemals in New York (im Mai)! (1)
3. Mai 2008
Hermannplatz ist wohl die einzige Station in Berlin von der aus man
exakt 45 min zu den beiden Berliner Flughäfen braucht (Tempelhof ist
selbstverständlich nicht gemeint - ich freue mich schon jetzt sehr
auf Central Park Tempelhof). Die U7 ist eine ziemlich gerade Linie
zwischen dem Jakob-Kaiser-Platz und der Endhaltestelle Rudow, von wo
aus man jeweils noch einen Bus bis zum Terminal nehmen muss.
Etwas schneller geht es nach Tegel wenn die Busse streiken und man
für die letzten Meter ein Taxi nehmen muss (Kurzstrecke 3,50,-
geteilt mit einem Schwaben auf dem Weg in die Schweiz - er übernahm
2,- Euro - danke).
Ohne besondere Vorkommnisse bin ich nach Paris geflogen, wo ich 4
Stunden am Terminal E warten musste. Ich fand Strom und schaute
Videos auf dem Laptop.
Der Flug mit Air France nach New York (JFK) war bis unters Dach
ausgebucht: 40% Russen + 40% Franzosen + 10% Amerikaner + 10% Andere.
Mein Sitzplatz (26G) war inmitten von russisch besetztem Territorium,
was mir nicht ganz unbekannt war, also auch nicht unangenehm, weil
ich ja in Berlin-Karlshorst aufgewachsen bin - dem ehemals
russischsten Teil Ostberlins.
Mein Sitz liess sich nicht nach hinten klappen, weil ein Mann mit
gewaltigen Ausmassen den Mechanismus blockierte. Das Mädchen vor mir
interessierte das reichlich wenig, sie klappte ihren Sitz so weit
nach hinten, sodass ich auf dem in der Lehne eingelassenen Fernseher
einen extrem steilen Blickwinkel bekam und alles nur noch invertiert
sah.
Die Russen feierten schon vor dem Flug mit Heineken und setzten dies
auch in der Luft fort. 2 Reihen hinter mir musste sich ein Mädchen
übergeben (es war einer der ruhigsten Flüge die ich je erlebt habe)
und 2 Reihen vor mir gab es Streit über das Klappen der Lehnen.
Da mir das Fernsehen durch die Invertierung ziemlich vermiest wurde,
schaute ich 2 Filme so halb: Cassandra´s Dream von Woody Allen und
Blueberry Nights von Wong Kar Wei und dachte den Rest der Zeit
darüber nach wie lustig es doch ist, dass die wohlhabenderen Russen
jetzt einfach so in die USA fliegen können und ihrem ehemals größten
Feind direkt ins Antlitz schauen und mit ihren gesparten Dollars die
gebrochene Supermacht sogar leer kaufen könnten. Ich hoffte wirklich,
dass sie auch mal einen Abstecher in die Bronx oder nach Bushwick
oder so machen würden und freute mich schon jetzt über die Gesichter
wenn sie erkennen, dass Amerika auch ganz schön runtergekommen sein
kann. Vielleicht fahren sie auch mal mit der U-Bahn, was dann
wahrscheinlich pures Entsetzen auslösen würde und eine ungeahnte
Spendenlawine russischer Großzügigkeit lostreten könnte.
Mein Sitznachbar war jedenfalls sehr freundlich, bat mir Chips an und
hielt mein Tablett wenn ich mich aus meiner eingeklemmten Situation
zu befreien versuchte. Man sah ihnen allen auf den ersten Blick das
Geld nicht an. Die Kleidung war sehr dezent bis uncool, die Nägel der
Frauen in Bronze und Kupfer lackiert, blonde Strähnen in den Haaren
und merkwürdige Knightrider Sonnenbrillen. Nur die Ohrringe und Uhren
sahen wirklich wertvoll aus und an den Handys konnte man auch einen
gewissen Wohlstand ablesen.
Die Franzosen erinnerte mich eher an die Deutschen nur besser
gekleidet. Sie lasen pflichtbewusst ihre Baedeker New York und
erregten keinerlei Aufsehen. Von den Amerikanern bekam ich im
russischen Block nichts mit.
Am Flughafen stieg ich in den Air Train welcher mich zum E Train (U-
Bahn) fuhr. Mit dem E Train einmal quer durch Queens, dann umsteigen
in den G bis nach Greenpoint - meiner Heimat für die nächsten 4
Wochen. In der U-Bahn und den U-Bahnhöfen traf ich auf vieles was ich
vermisst hatte, aber auch so einiges was mir gar nicht gefiel. Das
soziale Gefälle in New York ist weiterhin so erschreckend hoch und
die vielen wirklich "runtergekommenen" Menschen in den öffentlichen
Verkehrsmitteln machen mir Angst.
Es sind 9 Grad und es regnet. Ich finde das Haus - mein Vermieter Ben
öffnet mir, wir quatschen noch ne Stunde, dann falle ich ins Bett.
Hermannplatz ist wohl die einzige Station in Berlin von der aus man
exakt 45 min zu den beiden Berliner Flughäfen braucht (Tempelhof ist
selbstverständlich nicht gemeint - ich freue mich schon jetzt sehr
auf Central Park Tempelhof). Die U7 ist eine ziemlich gerade Linie
zwischen dem Jakob-Kaiser-Platz und der Endhaltestelle Rudow, von wo
aus man jeweils noch einen Bus bis zum Terminal nehmen muss.
Etwas schneller geht es nach Tegel wenn die Busse streiken und man
für die letzten Meter ein Taxi nehmen muss (Kurzstrecke 3,50,-
geteilt mit einem Schwaben auf dem Weg in die Schweiz - er übernahm
2,- Euro - danke).
Ohne besondere Vorkommnisse bin ich nach Paris geflogen, wo ich 4
Stunden am Terminal E warten musste. Ich fand Strom und schaute
Videos auf dem Laptop.
Der Flug mit Air France nach New York (JFK) war bis unters Dach
ausgebucht: 40% Russen + 40% Franzosen + 10% Amerikaner + 10% Andere.
Mein Sitzplatz (26G) war inmitten von russisch besetztem Territorium,
was mir nicht ganz unbekannt war, also auch nicht unangenehm, weil
ich ja in Berlin-Karlshorst aufgewachsen bin - dem ehemals
russischsten Teil Ostberlins.
Mein Sitz liess sich nicht nach hinten klappen, weil ein Mann mit
gewaltigen Ausmassen den Mechanismus blockierte. Das Mädchen vor mir
interessierte das reichlich wenig, sie klappte ihren Sitz so weit
nach hinten, sodass ich auf dem in der Lehne eingelassenen Fernseher
einen extrem steilen Blickwinkel bekam und alles nur noch invertiert
sah.
Die Russen feierten schon vor dem Flug mit Heineken und setzten dies
auch in der Luft fort. 2 Reihen hinter mir musste sich ein Mädchen
übergeben (es war einer der ruhigsten Flüge die ich je erlebt habe)
und 2 Reihen vor mir gab es Streit über das Klappen der Lehnen.
Da mir das Fernsehen durch die Invertierung ziemlich vermiest wurde,
schaute ich 2 Filme so halb: Cassandra´s Dream von Woody Allen und
Blueberry Nights von Wong Kar Wei und dachte den Rest der Zeit
darüber nach wie lustig es doch ist, dass die wohlhabenderen Russen
jetzt einfach so in die USA fliegen können und ihrem ehemals größten
Feind direkt ins Antlitz schauen und mit ihren gesparten Dollars die
gebrochene Supermacht sogar leer kaufen könnten. Ich hoffte wirklich,
dass sie auch mal einen Abstecher in die Bronx oder nach Bushwick
oder so machen würden und freute mich schon jetzt über die Gesichter
wenn sie erkennen, dass Amerika auch ganz schön runtergekommen sein
kann. Vielleicht fahren sie auch mal mit der U-Bahn, was dann
wahrscheinlich pures Entsetzen auslösen würde und eine ungeahnte
Spendenlawine russischer Großzügigkeit lostreten könnte.
Mein Sitznachbar war jedenfalls sehr freundlich, bat mir Chips an und
hielt mein Tablett wenn ich mich aus meiner eingeklemmten Situation
zu befreien versuchte. Man sah ihnen allen auf den ersten Blick das
Geld nicht an. Die Kleidung war sehr dezent bis uncool, die Nägel der
Frauen in Bronze und Kupfer lackiert, blonde Strähnen in den Haaren
und merkwürdige Knightrider Sonnenbrillen. Nur die Ohrringe und Uhren
sahen wirklich wertvoll aus und an den Handys konnte man auch einen
gewissen Wohlstand ablesen.
Die Franzosen erinnerte mich eher an die Deutschen nur besser
gekleidet. Sie lasen pflichtbewusst ihre Baedeker New York und
erregten keinerlei Aufsehen. Von den Amerikanern bekam ich im
russischen Block nichts mit.
Am Flughafen stieg ich in den Air Train welcher mich zum E Train (U-
Bahn) fuhr. Mit dem E Train einmal quer durch Queens, dann umsteigen
in den G bis nach Greenpoint - meiner Heimat für die nächsten 4
Wochen. In der U-Bahn und den U-Bahnhöfen traf ich auf vieles was ich
vermisst hatte, aber auch so einiges was mir gar nicht gefiel. Das
soziale Gefälle in New York ist weiterhin so erschreckend hoch und
die vielen wirklich "runtergekommenen" Menschen in den öffentlichen
Verkehrsmitteln machen mir Angst.
Es sind 9 Grad und es regnet. Ich finde das Haus - mein Vermieter Ben
öffnet mir, wir quatschen noch ne Stunde, dann falle ich ins Bett.


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