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Tuesday, May 20, 2008

    New York 2008 (11)

    Ich bin gerade vom Silver Mt. Zion Konzert in der Williamsburg Music Hall zurückgekommen und es bietet sich an, einmal ein paar Dinge klar zu stellen.
    Doch zuerst kurz zum Konzert. Die Musik war fantastisch - wie schon 3 Wochen zuvor in Berlin bin ich begeistert von der Kraft und Energie der Songs und der Integrität der Band.
    Bedauerlicherweise war der Sound lange nicht so gut wie im Postbahnhof in Berlin und die Band schien ziemlich genervt, eventuell schon von Anfang an auf ein furchtbares Publikum eingestellt.
    Die Stücke wurden nur halb so lang gespielt, wie in Berlin, was wohl an der kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Amerikaner läge, erklärte mir meine Freundin Aleema und zwischen den Stücken wurde viel und unfassbar dümmlich mit und im Publikum geschwätzt. Während einer Instrumentenstimmpause erlaubte der Frontmann der Band ein paar Fragen zu stellen oder Dinge zu sagen und die New Yorker hätten das nicht schlimmer ausnutzen können... es kam zu Beleidigungen, Diskussionen und kindischen "whatever - games". Wer weiß warum sich die Band auf so etwas einließ... Vielleicht, weil sie Kanadier sind und gerne engen Kontakt mit dem Publikum pflegen, oder weil sie nach langem Touren einfach nur müde waren und ihre professionelle Rüstung für einen Moment lang abgelegt hatten?
    Ich schämte mich für die Ignoranz, Intoleranz und Geschwätzigkeit der paar anwesenden New Yorker Idioten. Am Ende gab es sogar Bittrufe, die Band möge doch nach New York zurückkommen - ich war nicht der Einzige der die Stimmung verstand.
    An diesem Abend waren es vielleicht nur 3 von 300 und dennoch habe ich das Gefühl, dass sich dieses Land und seine Menschen in ihrem Verhalten einmal komplett neu evaluieren sollten. Ich will damit nicht sagen, dass ich als Deutscher nun genug Scheisse gefressen habe und fein raus bin aus der Sache mit dem Respekt, der Liebe und der Menschlichkeit - nein auch wir alle sind noch immer  große Verbrecher - Vandalen - debütierende Meuterer auf einem längst gesunkenem Schiff. Was wir brauchen ist gesunder, neuer, friedfertiger, liebevoller, intelligenter Menschenverstand - und nur dann besteht Hoffnung.
    Nun hatte ich leider gerade den Konzertdirektvergleich zwischen  Brooklyn und Berlin und ich kann nur sagen: Leute daheim, ihr wisst gar nicht wie gut ihr es habt.
    Noch vorhin erhielt ich eine mail von meinem Freund Michael, der nach dem lesen dieses Tagebuchs große Lust auf Amerika bekommen hat und ich frage mich ehrlich gesagt worauf...?
    Ich bin hier in New York, weil ich es als Arbeitsstätte sehe und das ist einigermassen wertfrei. Ja ich gebe zu, dass ich darüber hinaus eine gewisse Schwäche für diese seltsame Gegend habe und dennoch könnte ich mir nicht vorstellen hier zu leben. Ich verbinde mit New York einfach einige sehr wichtige Erfahrungen und Momente in meinem Leben. Außerdem kann ich mich einer gewissen amerikanischen Prägung, aufgrund meiner Highschool Zeit 1997 in Missourri nicht entziehen, trotzdem: Was wollen wir hier? Wonach suchen wir hier?
    Ich glaube zumindest einigermassen zu wissen warum ich hier bin - ich fühle mich am Rande dieser politisch, ökologisch, sozialen Katastrophe inspiriert. Ich fühle mich wie Kapitän Nemo am Meeresgrund oder Laika im Weltraum - ich sammle Erfahrungen und verwertbare Bilder und Töne - ich labe mich an dieser bröckelnden Supermacht.
    Ich habe auch viele Freunde hier, die von ihrer Regierung, ihrem Land auf ewig stigmatisiert wurden und denen ich über unsere Freundschaft hinaus zur Seite stehe, weil alle Amerikaner die ich kenne gute Menschen sind, genauso wie alle Deutschen die ich kenne keine Faschisten sind.
    Liebe Freunde, fahrt in andere Länder und seht nach, ob die Welt noch irgendwo einfach nur schön ist (sofern sie es denn je war) und lasst uns unser Wissen zusammentragen und über Alternativen diskutieren.
    Dies ist Stephane Leonard mit einem Livebericht aus Brooklyn, New York - Good Night - Sleep Tight.

    posted by Stephane Leonard at 8:53 AM

    1 Comments:

    Anonymous Lisa said...

    Ich war in Taiwan. Ich bin fast geplatzt vor Inspiration. Aber leben will ich da auch nicht - jedenfalls nicht für immer.

    Wann kommst du wieder?

    Li*

    May 20, 2008 9:50 AM  

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