New York 2008 (12)
verbracht und einem kurzen Ausflug in das New Museum in der Lower
Eastside, direkt neben einer großen Mission und Obdachlosenküche
gelegen. Die Stadt ist noch immer im Wandel - so lange bis auch das
letzte bisschen Charme durch ein Kaufhaus, ein Restaurant oder ein
Museum ersetzt wurde. Es scheint als würde eine riesige Wanderdüne
aus Dollarscheinen sich langsam über Manhattan, das angrenzende
Harlem und das benachbarte Brooklyn schieben. Seltsam ist, dass sich
dabei die Infrastruktur überhaupt nicht verändert. Die Straßen sind
in einem katastrophalen Zustand, die Bürgersteige sehen aus wie
zerbombt, Busse und Bahnen werden nicht erneuert, die brücken
schwanken verdächtig. Schneller lang anhaltender Profit - Investoren
denen egal ist wie die Welt ausserhalb ihrer Geschäfte aussieht.
Das Museum selbst ist ganz interessant. Die aktuelle Ausstellung eher
mässig und irgendwie wurde auch ein wenig bei der inneren Architektur
versagt. Ein riesiger neongrüner Fahrstuhl fährt die Besucher von
Stockwerk zu Stockwerk und macht jedes mal BING wenn er irgendwo
ankommt, was dann im gesamten Ausstellungsraum widerhallt. Und nimmt
man das enge Treppenhaus, fallen nach dem ein- bzw. austreten
unheimlich schwere Türen ins Schloss, was auch extrem störend sein
kann. Die Raumakustik und die Aufteilung sind irgendwie misslungen.
Ich glaube ich muss meinen letzten Eintrag ein wenig entschärfen,
denn gestern haben mich die New Yorker wahnsinnig gut behandelt.
Das Konzert war extrem gut besucht. Die Location Monkeytown ist nicht
groß und war mit ca. 50 Leuten beinahe überfüllt. Die Bands /
Performer sitzen in der Mitte eines ziemlich hohen quadratischen
Raumes. An allen 4 Wänden befinden sich riesige Projektionsflächen
(Fotos folgen), darunter gibt es Couchen und kleine Tische und das
Publikum kann während der Konzerte essen und trinken und Kellner
laufen überall rum. Der Besitzer hatte vor ein paar Jahren in einem
alten Fabrikgebäude damit begonnen experimentelle Musik, Video und
Essen / Trinken mit einander zu verbinden und ist dann irgendwann
umgezogen und mittlerweile mittendrin im superhippen Williamsburg und
auch nicht weit vom East River und der Williamsburgbridge, also perfekt.
Die erste Band hat so eine Art Livehörspiel gemacht - war ein wenig
esoterisch und 80er Jahre, mit bunten Video- und Soundeffekten -
nicht schlecht, eventuell ein wenig zu lang. Es sind dann leider auch
ein paar Leute gegangen, aber dafür kamen doppelt so viele neue dazu
- unter anderem Ralf, ein alter Kommilitone, obwohl als ich gerade
anfing war Ralf schon Meisterschüler, also eher ein Mentor,
jedenfalls residiert auch er gerade in Brooklyn (www.ralftekaat.de).
Ich hatte die Chance mit 2 alten VJ Freunden zusammen zu arbeiten,
was toll war, weil sie ziemlich gut sind und unheimlich zur Wirkung
meines Sets beigetragen haben (http://www.c-trl.com/).
Am Ende gab es noch eine Band - improvisiertes, folkiges,
atmosphärisches - ein runder Abschluss.
Die Nacht endete dann in Gesellschaft von meinem Mitbewohner Koen,
einem guten Freund Jessie und einem etwas älteren Fotografen
(Bekannter von Jessie), der schon den Dalai Lama, Benny Goodman und
James Turrell portraitierte, in einer dieser Bars wo man mit jedem
Bier eine Pizza für umsonst bekommt. Davon gibt es mehrere hier in
der Gegend und obwohl die Pizza natürlich nichts besonderes ist,
lohnt es sich alle male auf einen Latenightsnack und einen Absacker
dort einzukehren.



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