New York 2008 (16)
habe und ich habe es nicht einmal gemerkt.
Die Tage sind an mir vorbeigeflogen. Ich musste etwas mehr Zeit mit
Musik machen verbringen - wahrscheinlich weil mein Kopf schon wieder
fast in Berlin ist und dort warten dann diverse musikalische
Herausforderungen, vielleicht aber auch weil mein Freund Ralf recht
hat und der wahre Luxus in New York es ist, daheim zu bleiben und
sich weder von der Stadt selbst, noch von ihrem kulturellem
Überangebot beeindrucken zu lassen. Außerdem habe ich am Sonntag noch
ein Konzert, was ja auch gut vorbereitet sein will.
Donnerstag habe ich beim spazieren durch Greenpoint Seidenmatt gehört
und da wurde mir klar, dass es Zeit ist wieder nach Hause zu fahren.
Gestern war ich nun endlich in Coney Island und ich kann euch
beruhigen, denn es ist alles noch da. Ich hatte sogar das Gefühl,
dass neue Karussells und Buden dazu gekommen sind.
New York ist langsam. Man will Coney Island auch nicht komplett dicht
machen, man will es "säubern". Einige der seltsameren Schausteller
wurden wohl auch schon verjagt, was jedoch die Obdachlosen, die
Ghettokids, die Gangs und die Crackjunkies nicht davon abhält
weiterhin am Pier, dem Strand und auf der Promenade rum zu hängen.
Mich stört das nicht. Im Gegenteil, es gehört für mich sogar dazu.
Coney Island ist alt und herunter gekommen und deshalb fühlt sich
hier jeder willkommen der nicht ganz soviel Geld hat. Vergnügen und
Spaß für die Unterschicht - Welches Land leistet sich schon so etwas?
Geht man den Strand entlang, wird man feststellen, dass es noch immer
eine Trennung zwischen schwarz und weiß gibt. Der Stadtteil Coney
Island ist hauptsächlich russisch. Russische Supermärkte, Banken und
Reisebüros. Die Russen selbst haben sich ein wenig weiter vom
Rummelplatz entfernt und beanspruchen einen kleinen, aber sauberen
Strandabschnitt für sich und wo sich Russen sonnen, da kommen keine
Andersfarbigen hin. Das ist nicht rassistisch - man ist nur einfach
gerne / lieber unter sich - ich denke wer das nicht versteht, der
wird auch nie die Frage der Integration von Immigranten wirklich
klären können. In Skandinavien werden die Einwanderer behutsam und
gleichmässig über das ganze Land verteilt - ein interessanter Ansatz,
aber wirklich gut und richtig? Einen Ort wie Chinatown muss man
einfach lieben und Berlin ohne Kreuzberg wäre auch nur halb so
interessant. Ein größeres Gastgeschenk als die eigene Kultur kann uns
ein Ausländer doch kaum machen!
Ich bin mit den Füssen durchs Wasser von schwarz nach weiß und wieder
zurück gewatet, habe viel zu teure Shrimps gegessen, einen Sonnenhut
und selbstverständlich ein T-Shirt gekauft.
Es war Freitag und die Schule war gerade aus und hunderte von Kids
bevölkerten die Promenade, schmissen sich gegenseitig ins noch recht
kühle Wasser und assen Pommes und Corndogs (Wurst am Stiel umhüllt
mit einem Maisteig - amerikanisches Highlight).
Langsam: Vor gut 7 Jahren versprach Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani
der Stadt New York das Wassertaxi. Eine großartige Idee, wenn man
bedenkt, dass Manhattan eine Insel ist. Leider hat Bloomberg diesen
Plan nicht weiter verfolgt und so stehen die New Yorker weiterhin
dicht gedrängt mit der Nase in irgendeiner Achselhöhle in überfüllten
Zügen von Brooklyn nach Manhattan und zurück.
Wenn die Stadt nicht bald etwas tut, um ihre komplette Infrastruktur
zu sanieren, wird ein kompletter Stromausfall / Blackout, wie z.B. am
13. August 2003 kein Einzelfall mehr bleiben.
Die Stadt war wohl in komplette Dunkelheit gehüllt. Nur Handys und
Taschenlampen flackerten hier und da mal auf. Angeblich war es wohl
einer der friedlichsten Nächte in New York. Jeder half Jedem, alles
über 21 tummelte sich in den Bars und trank warmes Bier bei
Kerzenschein, Restaurants verkochten ihre Reserven aus den abtauenden
Kühlschränken und verschenkten oder verkauften günstig.
Ewige Nacht.





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