Saturday, May 31, 2008

    New York 2008 (16)

    Ich sehe gerade, dass ich schon mehrere Tage nichts mehr geschrieben
    habe und ich habe es nicht einmal gemerkt.
    Die Tage sind an mir vorbeigeflogen. Ich musste etwas mehr Zeit mit
    Musik machen verbringen - wahrscheinlich weil mein Kopf schon wieder
    fast in Berlin ist und dort warten dann diverse musikalische
    Herausforderungen, vielleicht aber auch weil mein Freund Ralf recht
    hat und der wahre Luxus in New York es ist, daheim zu bleiben und
    sich weder von der Stadt selbst, noch von ihrem kulturellem
    Überangebot beeindrucken zu lassen. Außerdem habe ich am Sonntag noch
    ein Konzert, was ja auch gut vorbereitet sein will.
    Donnerstag habe ich beim spazieren durch Greenpoint Seidenmatt gehört
    und da wurde mir klar, dass es Zeit ist wieder nach Hause zu fahren.

    Gestern war ich nun endlich in Coney Island und ich kann euch
    beruhigen, denn es ist alles noch da. Ich hatte sogar das Gefühl,
    dass neue Karussells und Buden dazu gekommen sind.
    New York ist langsam. Man will Coney Island auch nicht komplett dicht
    machen, man will es "säubern". Einige der seltsameren Schausteller
    wurden wohl auch schon verjagt, was jedoch die Obdachlosen, die
    Ghettokids, die Gangs und die Crackjunkies nicht davon abhält
    weiterhin am Pier, dem Strand und auf der Promenade rum zu hängen.
    Mich stört das nicht. Im Gegenteil, es gehört für mich sogar dazu.
    Coney Island ist alt und herunter gekommen und deshalb fühlt sich
    hier jeder willkommen der nicht ganz soviel Geld hat. Vergnügen und
    Spaß für die Unterschicht - Welches Land leistet sich schon so etwas?
    Geht man den Strand entlang, wird man feststellen, dass es noch immer
    eine Trennung zwischen schwarz und weiß gibt. Der Stadtteil Coney
    Island ist hauptsächlich russisch. Russische Supermärkte, Banken und
    Reisebüros. Die Russen selbst haben sich ein wenig weiter vom
    Rummelplatz entfernt und beanspruchen einen kleinen, aber sauberen
    Strandabschnitt für sich und wo sich Russen sonnen, da kommen keine
    Andersfarbigen hin. Das ist nicht rassistisch - man ist nur einfach
    gerne / lieber unter sich - ich denke wer das nicht versteht, der
    wird auch nie die Frage der Integration von Immigranten wirklich
    klären können. In Skandinavien werden die Einwanderer behutsam und
    gleichmässig über das ganze Land verteilt - ein interessanter Ansatz,
    aber wirklich gut und richtig? Einen Ort wie Chinatown muss man
    einfach lieben und Berlin ohne Kreuzberg wäre auch nur halb so
    interessant. Ein größeres Gastgeschenk als die eigene Kultur kann uns
    ein Ausländer doch kaum machen!
    Ich bin mit den Füssen durchs Wasser von schwarz nach weiß und wieder
    zurück gewatet, habe viel zu teure Shrimps gegessen, einen Sonnenhut
    und selbstverständlich ein T-Shirt gekauft.
    Es war Freitag und die Schule war gerade aus und hunderte von Kids
    bevölkerten die Promenade, schmissen sich gegenseitig ins noch recht
    kühle Wasser und assen Pommes und Corndogs (Wurst am Stiel umhüllt
    mit einem Maisteig - amerikanisches Highlight).

    Langsam: Vor gut 7 Jahren versprach Ex-Bürgermeister Rudy Giuliani
    der Stadt New York das Wassertaxi. Eine großartige Idee, wenn man
    bedenkt, dass Manhattan eine Insel ist. Leider hat Bloomberg diesen
    Plan nicht weiter verfolgt und so stehen die New Yorker weiterhin
    dicht gedrängt mit der Nase in irgendeiner Achselhöhle in überfüllten
    Zügen von Brooklyn nach Manhattan und zurück.
    Wenn die Stadt nicht bald etwas tut, um ihre komplette Infrastruktur
    zu sanieren, wird ein kompletter Stromausfall / Blackout, wie z.B. am
    13. August 2003 kein Einzelfall mehr bleiben.
    Die Stadt war wohl in komplette Dunkelheit gehüllt. Nur Handys und
    Taschenlampen flackerten hier und da mal auf. Angeblich war es wohl
    einer der friedlichsten Nächte in New York. Jeder half Jedem, alles
    über 21 tummelte sich in den Bars und trank warmes Bier bei
    Kerzenschein, Restaurants verkochten ihre Reserven aus den abtauenden
    Kühlschränken und verschenkten oder verkauften günstig.
    Ewige Nacht.

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