Sunday, June 1, 2008

    New York 2008 (17)

    Heute bin ich rüber nach Staten Island.
    Es hat geschüttet und dabei waren es immer noch über 25 Grad - wie in
    den Tropen.
    Ich wollte raus - ich musste raus. Die Fähre ist immer noch umsonst
    und eines der beliebtesten Touristenziele, weil sie direkt an der
    Freiheitsstatue vorbeifährt und einen wunderbaren Blick auf die
    Skyline Manhattans offeriert.
    Ich bin neuerdings beim Ein- und Aussteigen ein wenig ängstlich. Als
    ich 2005/06 in New York war hatte mir niemand von diesem
    schrecklichen Unfall erzählt, vor ein paar Tagen wurde ich jedoch
    darauf aufmerksam gemacht. Am 15. Oktober 2003 fuhr eine der Fähren
    direkt in das Anlegeterminal, wobei mehrere Menschen ums Leben kamen
    und viele mit Verletzungen dem Tod nur knapp entkamen.
    Hier die Story des Kapitäns:
    "The ferry's pilot, Richard Smith, attempted suicide by slitting his
    left wrist while still on the boat (after the accident). He then
    slipped away so suddenly that he left his house keys. He was found
    shortly afterward at home (having apparently broken in). Smith had
    again tried to kill himself, this time by shooting himself twice in
    the chest with a pellet gun, but survived this second suicide attempt.
    It was later determined that Smith had lost consciousness while at
    the ship's controls. He had taken the painkillers Tramadol and
    Tylenol PM both of which can cause drowsiness as a side effect. On
    August 4, 2004, Smith pled guilty to manslaughter. He was sentenced
    to 18 months in prison on January 10, 2006." (wikipedia)

    Zwei Gründe lockten mich nach Staten Island:
    1) Ich bin zwar schon öfter mit der Fähre rüber, jedoch meisten
    gleich wieder zurück. Der Standardtourist weiß aber oft nicht, dass
    es noch eine U-Bahn (fährt allerdings überirdisch - heißt auch
    anders: SIR) auf der Insel gibt. 42 Minuten von der Fähre bis zur
    Endhaltestelle. Ich wollte immer schon wissen wie es dort aussieht,
    stellte mir endlose Strände und Hotelburgen vor und sah mich schon
    unter einem Regenschirm, mit Blick aufs Meer, ein Mittagbrot zu mir
    nehmen.
    2) Ich bin neulich über eine Geschichte gestolpert, die sich in dem
    Ort Tottenville, am äussersten Zipfel der Insel gelegen, im Sommer
    2007 zugetragen hat. Irgendwie hat es mich neugierig gemacht, wie
    wohl ein Ort aussieht an dem Pfaue erschlagen werden. Hier die
    Geschichte:
    "A Staten Island man grabbed a peacock by its neck and beat it to
    death outside a Tottenville fast-food restaurant Thursday morning
    after screaming that he had to get the vampire.
    The man, who is believed to be in his late teens or early-20s,
    allegedly used a baseball bat to attack the bird in a Burger King
    parking lot on Page Avenue. He then jumped onto the hood of a car and
    threw the bird to the ground, witnesses said. He fled the scene when
    he saw police. "We brought it back to our care center but the
    injuries were so extreme, we had to put the animal down for humane
    reasons," said Richard Gentles, a spokesman for Animal Care & Control
    of New York City. "He was beaten so severely that some of the
    feathers fell out at the scene and others fell out at the care
    center. Its a horrible, horrible situation." A teen-age girl who
    works at the Burger King had been feeding the male peacock in the
    parking lot just after 7:30 a.m. A short time later she heard the man
    screaming and saw him rip off his shirt before brutalizing the
    bird.Anyone who witnessed the incident and has a description of the
    man is being urged to call Animal Care & Control at 212-788-4000 or
    the ASPCA at 212-876-7700 . --Contributed by Glenn Nyback" (Staten
    Island Advance)

    Als ich an der Endhaltestelle ausstieg, fiel ich beinahe ins Wasser.
    Der Bahnsteig endet quasi im Meer. Zu meinem Erstaunen fand ich kein
    einziges Hotel und auch kein Strand. Viele Einfamilienhäuser, wie
    eine typisch amerikanische Vorstadt, nur viel stiller und ganz ohne
    Geschäfte. Weit hinten in Totenville leben viele Polizisten und
    Feuerwehrmänner - Mittelklasse, je näher man der Fähre kommt desto
    vermischter ist die Bevölkerung. Viele Immigranten aus allerlei
    Ländern und sogar echte Gangs soll es noch auf Staten Island geben
    (in der U-Bahn sahen einige Leute wie Gangster aus).
    Ich musste eine ganze Weile laufen bis ich eine kleine Pizzeria zum
    snacken fand. Überall wurde ich freundlich gegrüßt und auch ein wenig
    verwundert angeschaut (man sieht mir mit dem Stativ um den Hals, den
    Touristen doch noch zu sehr an).
    Ich lief weiter und weiter, traf eine Schildkröte, fand die Straße
    mit dem Burger King, das Restaurant selbst sah ich jedoch nicht, das
    Risiko in die falsche Richtung zu laufen war einfach zu groß und ich
    war schon ziemlich erschöpft von dem hohen Luftdruck und der
    Luftfeuchtigkeit und irgendwann kam ich sogar an einen wilden Strand
    und wieder: keine Hotels, keine Promenade... nichts.
    Für den Rückweg zur Fähre, beschloss ich den Bus zu nehmen. Dies
    schien mir sicherer und unterhaltsamer. Eine Stunde später war ich
    wieder auf der Fähre.

    Sag Ja zu: Hans Jürgen Pickles (siehe Photo)

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